Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten!

Achte auf deine Handlungen

Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun.

Molière
Autorin: Anette Krumhaar

Autorin: Anette Krumhaar

Wie viele Handgriffe führst du täglich aus, ohne darüber nachzudenken? So als Routine-Handlung? Wie viel nimmst du deinem Kind, deinem Partner und deinem Umfeld ab, ohne darüber nachzudenken? Als berufstätige Mutter brauchst du ein ausgefuchstes Timing, damit alles läuft. Und da ist es doch einfacher und schneller alles selbst zu machen, richtig? Im ersten Moment scheint es so zu sein – doch auf lange Sicht nicht! Dieses Vorgehen bringt deinen Zeitplan durcheinander, dich in unnötigen Stress und dein Umfeld gewöhnt sich daran, alles dir zu überlassen… 

WARNUNG: Wenn du es LIEBST als berufstätige Mutter der einzige Dreh- und Angelpunkt für deine Familie zu sein, dann brauchst du diesen Blog-Beitrag nicht zu lesen. Doch wenn du das Gefühl hast, du hast dich in den alleinigen Mittelpunkt deiner Familie rein manövriert und kommst irgendwie nicht mehr raus – dann lies gerne weiter!

Kommen dir diese Handlungen bekannt vor?

Ich nenne dir hier einige Beispiele, die zeigen, wie einfach es ist, aus Handlungen, (die oft wichtig sind, solange die Kinder klein sind) Gewohnheiten entstehen zu lassen. Auf diese verlässt sich dein Umfeld dann auch zukünftig. Und statt das du mit größer werdenden Kindern mehr Entlastung hast, bleibt alles an dir hängen und es kommt stetig etwas dazu. Das erhöht deinen Druck und Stress im Alltag enorm, während sich dein Umfeld daran gewöhnt, das Mitdenken dir zu überlassen (ist ja auch viel bequemer als selbst Verantwortung zu übernehmen 😉).

1. Handlung: Jacke und Schuhe anziehen

Morgens muss es meistens schnell gehen, damit dein Kind rechtzeitig in der Kita und du bei der Arbeit bist. Da geht es einfacher, du ziehst deinem Kind Jacke und Schuhe an, oder? Ansonsten dauert es ewig und deine ganze Zeitplanung ist dahin. Wieder wird schnell, schnell gemacht und die Hektik zieht sich durch den ganzen Tag. Genauso, wie du es nicht haben willst. Durch deine automatische Handlung lernt dein Kind lange nicht, sich selbstständig anzuziehen. Dadurch ist es im Kindergarten oder bei der Tagesmutter immer als letztes fertig, wenn es zum Spielen rausgeht – oder es geht gleich ohne Jacke raus und fängt sich einen Schnupfen ein.

Überlege dir, wann dein Kind alt genug ist, sich selbst Jacke und Schuhe anzuziehen. Plane dann eine Weile lang etwas mehr Zeit ein, bevor ihr rausgeht. Lade dein Kind konsequent ein, sich allein anzuziehen. Je öfter du es einplanst, umso schneller wird es gehen. Stell dir den Stolz und die Freude vor, wenn dein Kind zum ersten Mal die Schuhe selbst bindet. (Auch wenn es heutzutage schwer ist, Kinderschuhe ohne Klettverschluss zu finden 😉)

Zu Routinen am Morgen hat auch Anne Hoffmann (Geschichten einer Tagesmutter) einen Beitrag geschrieben.

2. Handlung: Aufräumen des Kinderzimmers

Hast du dir angewöhnt, abends vor dem Schlafengehen im Kinderzimmer „Klar Schiff“ zu machen? Das ist sicher sinnvoll, solange dein Kind noch zu klein ist, um selbst aufzuräumen. Doch mit dem Heranwachsen sollte es Schritt für Schritt selbst dazu in der Lage sein, aufzuräumen. Ansonsten bleibt es für immer an dir hängen.

Wie räumt dein Kind sein Zimmer auf?

So wie es dir gefällt, oder eher gar nicht? Hier ist deine Stärke gefragt. Kinder räumen ihr Zimmer nicht so perfekt auf, wie du es gerne hättest. Lass hier ein bisschen locker! Anstatt zu kritisieren, dass nicht „richtig“ aufgeräumt ist, zolle deinem Kind Anerkennung, DASS es aufgeräumt hat. Mit dem Kritisieren nimmst du deinem Kind die Motivation, überhaupt aufzuräumen. Mit der Anerkennung motivierst du dein Kind dazu, mit dem Aufräumen weiterzumachen. Und je älter es wird, umso besser wird es werden!


Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte.
Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.
Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.

Charles Reade (1814 - 1884), englischer Schriftsteller

3. Handlung: Das bisschen Haushalt…

Wer übernimmt bei dir etwas im Haushalt? Landet bei dir das schmutzige Geschirr auch immer AUF der Spüle anstatt IN der Spülmaschine? Dabei wäre es genau ein Handgriff mehr, es gleich in die Maschine zu sortieren, oder? Grade der Haushalt bietet ganz viele Möglichkeiten, deinem heranwachsenden Kind (und auch deinem Partner) kleine Aufgaben abzugeben.

Überlege dir, welche Aufgaben das sein können und veranstalte eine „Familientagung“. In der schilderst du, wie dich der Rest der Familie im Haushalt unterstützen kann und verteilst ein paar Aufgaben. Vielleicht ist die Idee, einen Kalender / To-Do-Übersicht zu erstellen eine Option.

4. Handlung: Mitdenken für andere

Ein Ausflug am Wochenende ist angekündigt – du fängst schon mal an zu packen…

Buggy, Essen, Trinken, Snacks, Wechselkleidung, zusätzliches Paar Schuhe, Regenkleidung… Bis du fertig bist, sieht es aus als wolltet ihr eine Woche in den Urlaub fahren. Dein Partner steht da, nur mit dem Autoschlüssel bewaffnet und schaut dich fassungslos an.

Wann hast du dir angewöhnt an alle Eventualitäten zu denken? Richtig, bei jeder Erfahrung, die du gemacht hast, wenn du etwas vergessen hattest. Kaum aus der Haustür, schon hat dein Kind Durst oder Hunger. Der Ausflug, als dein Kind die einzige Pfütze weit und breit gefunden hat und voller Spaß mit den Halbschuhen durch gerannt ist.

Der Mensch lernt durch Erfahrung

Dein ganzes Voraus- und Mitdenken resultiert aus vergangenen Erlebnissen, aus denen du gelernt hast. Es macht keinen Spaß, sein Kind den halben Weg zu tragen, weil es zu müde ist zum Laufen. Auch wenn es eigentlich keinen Buggy mehr braucht. Das Quengeln wegen nasser Füße macht es auch nicht angenehmer. Also versuchst du, alle Eventualitäten vorauszudenken und dich vorzubereiten. Daran ist zeitweilig gar nichts verkehrt.

Achte auf deine Handlungen, sie werden Gewohnheiten

Entscheidend ist, dass du diese Handlung nicht zur Gewohnheit werden lässt. Du denkst für dein Kind, deinen Partner und überhaupt für alle mit. Dadurch verlässt sich jeder auf dich. Und solltest du doch mal etwas vergessen, kassierst du auch noch den schwarzen Peter.

Was passiert, wenn du nichts unternimmst?

Je mehr du dir von außen aufhalst, umso mehr steigt dein Druck und dein Stresspegel. Und getreu dem Motto „Der Krug geht so lange zum Wasser, bis er bricht“, machst und tust du und landest irgendwann im Burnout. Oder du wartest so lange, bis der „letzte Tropfen Wasser das Fass zum Überlaufen bringt“ und flippst aus. Du wirst laut, stellst alle um dich herum in den Senkel. Mit dem Erfolg, dass du danach ein schlechtes Gewissen hast, dich so benommen zu haben. Und du wirst weich und übernimmst wieder alles Denken, Machen und Tun. Unterbrich den Kreislauf und überlege dir frühzeitig, welche Handlungen wann von wem übernommen werden können und dann gib sie nach und nach ab. Gutgelaunt, klar und konsequent.

Probiere Folgendes aus:
Beobachte dich nur einen Tag in der Woche. Welche Handlungen führst du ohne Nachzudenken aus, die ohne weiteres auch dein Kind oder dein Partner übernehmen kann? Gewöhne dein Umfeld Schritt für Schritt daran, diese Aufgaben zu übernehmen. Das erspart dir Stress, Ärger und schlechtes Gewissen.

Viel Erfolg!

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