Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen – Teil 1

Achte auf deine Worte - Teil 1

Der Unterschied zwischen dem richtigen Wort und dem beinahe richtigen ist derselbe Unterschied wie zwischen dem Blitz und einem Glühwürmchen.

Mark Twain
Autorin: Anette Krumhaar

Autorin: Anette Krumhaar

Doch welches Wort ist richtig und welches beinah richtig? Meistens reden wir doch, wie uns der Schnabel gewachsen ist, oder? Und wenn wir aufmerksam sind, dann fällt uns am Gegenüber auf, das wir grade etwas Falsches gesagt haben. Doch häufig bringen wir es nicht mit dem WIE wir es gesagt haben, sondern mit dem WAS wir gesagt haben in Verbindung. Und schon ist der da – der Streit! Ein bewusster Umgang mit deiner Sprache erspart dir viel Streit!

Wenn du lieber hörst als liest… 

Wie achtsam gehst du mit deinen Worten um? 

Als Kommunikationstrainerin begleitet mich die Macht der Worte schon einige Jahrzehnte. Und immer wieder fällt mir auf, dass viele Worte unbedacht aus dem Mund schlüpfen. Die Schwierigkeit ist, dass wir sie nicht mehr zurückholen können – gesagt ist gesagt. Ich zeige dir hier was du unbewusst mit Worten anrichten kannst und welche Reaktionen sie zur Folge haben können. Die Betonung liegt auf KÖNNEN. Nicht immer kommen die Reaktionen. Doch wenn sie kommen, dann hast du zukünftig eine Idee, aus welchem Grund sie kommen und wie du sie vermeiden kannst.

Die „Wenn…, dann…“ – Formulierung

Eine beliebte Kombination ist die „Wenn…, dann…“ – Formulierung. „Wenn du jetzt nicht aufräumst, dann gibt es nachher keine Geschichte.“ könnte sie lauten. Ich denke, du weißt was ich meine. Diese Formulierung wird schnell als Drohung empfunden – und so ist sie häufig auch gemeint. Du möchtest dein Kind zu einer Handlung bringen. Und wenn es nicht gehorcht, dann bekommt es eine Bestrafung. Schon hässlich, wenn wir es so auseinandernehmen, oder? Es hat etwas von Zuckerbrot und Peitsche.

Meine Geschichte zu „Achte auf deine Worte“

Ich fahre mit meiner 5-jährigen Tochter im Auto. Es läuft ihre momentane Lieblings-CD mit lustigen Kinderliedern. Und wenn ich sage Lieblings-CD, dann kannst du dir vorstellen, wie oft wir sie schon gehört haben. Je öfter ich ein Lied höre, umso tiefer dringt es in mein Ohr. Und es kommt, wie es kommen muss: ich fange an, mitzusingen. Nicht schön, aber laut! Auf einmal kommt von hinten eine Stimme: „Wenn du jetzt nicht aufhörst zu singen, dann fahre ich nie wieder mit dir im Auto!“ BÄÄMM – Das hat gesessen. Ich bin zutiefst erschrocken, denn Kinder wiederholen häufig Worte, die sie gut kennen, bzw. oft hören. Ich weiß um die Gefahren der „Wenn…, dann…“ – Formulierung und hätte schwören können, dass ich sie nicht benutze. Soviel zur unbewussten Sprachnutzung…

Was es noch schlimmer macht?

Das „Dann“, das du ankündigst, ist durchzuziehen. Sonst ist auch noch deine Konsequenz dahin. Du siehst, du bringst dich selbst in eine unangenehme Lage.

Was kannst du tun?

Mit der „Wenn…, dann…“ – Formulierung willst du deinem Gegenüber klarmachen, dass seine Handlungen (bzw. Nicht-Handlungen) Konsequenzen nach sich ziehen. Doch in dieser Formulierung spielst du deine Macht aus und lässt dein Kind hilflos zurück. Das ist nicht schön. Probiere aus, wenn dir ein „Wenn…, dann..“ auf den Lippen liegt, ein „Wenn du nicht machst, habe ich keine andere Möglichkeit als…“. Diese Variante zeigt dem Kind auf, dass es selbst in der Hand hat, ob es heute Abend eine Geschichte hört oder nicht. So kann es selbst bestimmen, wie der Verlauf des Abends sein wird.

Tipp: Drohe weniger und ersetze das “Wenn…, dann…” mit „Du lässt mir keine Wahl“

 

Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte.
Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.
Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.

Charles Reade (1814 - 1884), englischer Schriftsteller

Das Eigentlich brauchen wir eigentlich gar nicht

Mir ist aufgefallen, dass das Wort „Eigentlich“ oft als Angewohnheit in einen Satz eingebaut wird. Du hörst es ständig um dich herum – und das beeinflusst deinen Sprachschatz.

„Mama, darf ich heute Nachmittag zu meiner Freundin?” – “Eigentlich nicht, Oma kommt doch.“

Ein möglicher Dialog zwischen Mutter und Tochter – was passiert jetzt? Die Tochter wird anfangen zu bohren und zu quengeln. Solange, bis die Mutter mit dem Rücken an der Wand steht und um den lieben Frieden willen nachgibt: „Aber nur eine Stunde!“ Und du ärgerst dich, dass du dich wieder hast breitschlagen lassen! Das bringt Spannungen und schlimmstenfalls Streit.

Wie kommt das? 

Sicher hast du auch schon auf ein „Eigentlich“ die Gegenfrage „Und uneigentlich?“ gehört, oder? Genau das ist der springende Punkt. Ein eigentlich zeigt dem Gegenüber, dass deine Aussage nicht endgültig ist, sondern noch Spielraum hat. Das fordert zum Nachbohren auf.

Es ist nicht so, dass dein Gegenüber denkt: „Oh, sie hat eigentlich gesagt – da fange ich doch gleich mal an zu bohren!“ Sondern dein Gesprächspartner reagiert intuitiv darauf und verhält sich so, wie er schon in der Vergangenheit erfolgreich war. 😊

Was kannst du tun? 

Check mal, ob du dein „Eigentlich“ wirklich aussprechen willst oder, ob es nur eine Angewohnheit ist. In den meisten Fällen kannst du es sicher ersatzlos streichen und machst dadurch klare Ansagen, die weniger Angriffsfläche für Diskussionen bieten.

Tipp: Mache klare Ansagen und verzichte auf das “Eigentlich”

Achte auf deine Worte: Eine Übung zur Sprachreinigung

Nimm dir Woche für Woche eins der genannten Wörter vor und höre dir zu, wenn du sprichst oder denkst. Dann

1.       Drohe weniger und ersetze das “Wenn…, dann…” mit „Du lässt mir keine Wahl“

2.       Mache klare Ansagen und verzichte auf das Eigentlich”

Für einen Austausch und neue Ideen lade ich dich gerne ein, im RollenSpagat – PORTAL vorbeizuschauen. Dort treffen sich berufstätige Mütter zum Austausch, zur Unterstützung und gegenseitiger Hilfestellung.

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