Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen – Teil 2

Achte auf deine Worte - Teil 2

Die Sprache ist die Kleidung der Gedanken.

Samuel Johnson, (1709 - 1784), englischer Sprachforscher, Lehrer, Journalist

Wenn du lieber hörst als liest… 

Wusstest du, dass sich dein Sprachgebrauch unbewusst an dein Umfeld anpasst? 

Je öfter du etwas hörst, umso öfter passiert es, dass es in deine Alltagssprache einfließt. Ein schönes Beispiel kommt aus der Werbung: „Nicht immer, aber immer öfter.“ Oft genug gehört, schleichen sich solche Floskeln in deinen Sprachgebrauch. Das schöne ist, sie verschwinden irgendwann auch wieder – doch du selbst kannst es maßgeblich beeinflussen, welche Worte in deiner Alltagssprache auftauchen oder wieder daraus verschwinden.

Meine Geschichte zur Veränderung des Sprachschatzes:

In meinem Arbeitsumfeld kam einmal das Wort „Supi“ auf. Ich fand und finde es hochgradig albern! Doch alle anderen schienen es wunderbar zu finden, denn ich hörte es immer öfter. Und jedes Mal dachte ich: „Wie albern! Entweder ist etwas Super oder nicht.“ Die Verniedlichung ins „Supi“ gefiel mir überhaupt nicht. Doch es kam, wie es kommen musste. Eines Tages wollte ich einer Kollegin ein Kompliment für ihre Arbeit machen und ZACK war es da. „Das hast du echt supi gemacht!“, hörte ich mich sagen. Ich erschrak doch sehr und achtete danach darauf, dass mir das nicht noch mal passierte. Irgendwann verschwand das Wort auch wieder und ich laufe nicht mehr Gefahr, es nochmal zu benutzen.

Achte auf deine Worte – aus welchem Grund ist das so wichtig?

Worte sind wie Schall und Rauch; schnell ausgesprochen und nicht mehr zurückzuholen. Das macht sie so gefährlich 😉. Denn du kannst damit sehr schnell und unbewusst dein gegenüber verletzen oder beeinflussen und ein „war doch nicht gemeint“ heilt nicht alle Wunden, die du schlägst. Ich stelle dir hier zwei kleine Wörter vor, die oft unbedacht benutzt werden. Wie achtsam gehst du mit ihnen um?

Warum ist das “Warum” so schwierig?

Das klitzekleine Wort „Warum“ hat eine große Wirkung in uns. Spür mal in dich hinein, was passiert, wenn dich jemand fragt: „Warum hast du es so gemacht?“ Kommt in dir das Gefühl auf, du musst dich für dein Tun rechtfertigen? Je nachdem, wer dich fragt, kommt dann ein Trotz-Gefühl mit auf, oder? Und genau das passiert vielen Menschen.

Woher kann das kommen?

Kannst du dich erinnern an die Zeit als dein Kind mit ca. 3 Jahren ständig fragte „Warum“? Morgens wenn die Augen aufgingen schon „Warum ist es hell? Warum scheint die Sonne nicht? Warum schläfst du noch?“ und so ging es weiter den ganzen Tag, bis abends die Augen wieder zugingen. Für Kinder in dem Alter ist das eine absolut wichtige Phase – die Welt begreifen! Für dich als Mutter eine echte Herausforderung. Denn oft fehlen die Antworten 😉

Das “Warum” entwickelt sich weiter…

Später, wenn dein Kind älter wird – so Richtung Pubertät, dann wechselt das Warum die Seiten. „Warum ist dein Zimmer nicht aufgeräumt? Warum sind die Hausaufgaben nicht fertig? Warum kommst du so spät nach Hause?“ – es wird für Kontrollfragen genutzt. Die häufigste Antwort die darauf zu hören ist: „Darum“ oder „Weil“. Dein Kind kann nicht wirklich Gründe benennen, fühlt sich in die Ecke gedrängt und wird trotzig. Genau diese Verhaltensweise behalten wir dann häufig auch im Erwachsenenalter. Sobald du mit einem „Warum“ konfrontiert wirst, ZACK, wird der Trotz-Schalter umgelegt und ein rotes Lämpchen geht in dir an. So ist die Atmosphäre im Gespräch, zwischen den Gesprächspartnern, schnell gestört.

Wie entschärfst du ein Warum? 

Das „Warum“ fragt immer nach einem Grund und genau danach kannst du fragen. „Aus welchem Grund ist dein Zimmer noch nicht aufgeräumt?“ Das wird nicht mehr Gründe zum Vorschein bringen, doch du vermeidest den Konfrontationskurs. Der Dialog bleibt entspannter, artet nicht in Streit aus und du ersparst deinem Kind das Angewöhnen einer Trotzreaktion im Erwachsenenalter auf das Wörtchen Warum.


Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte.
Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.
Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.

Charles Reade (1814 - 1884), englischer Schriftsteller

Was ist los mit dem Wort „muss“?

Sicher kennst du den Spruch: „Müssen, musst du gar nichts!“ Ein Muss ist ein Zwang und es fordert oft eine Abwehrhaltung heraus. Dabei ist es häufig nur eine Angewohnheit, in „müssen“ zu denken und zu sprechen.

Wie oft denkst oder sagts du „Ich muss“…

  • noch einkaufen
  • die Wäsche noch machen
  • die Aufträge in deinem Job erledigen
  • den Kuchen für das Schulfest backen

Das muss suggeriert dir, dass du aus der Nummer nicht mehr rauskommst und das erhöht deinen Stress und Druck. Doch kommst du wirklich nicht mehr raus?

Probiere doch diesen Tipp für dich aus:

Ersetze laut oder in Gedanken die Wörter „Ich muss“ mit „Ich möchte“ oder „Ich darf“.
Was passiert jetzt bei dir?

  • Nimmst du damit den Zwang raus und bringst mehr Leichtigkeit rein?
  • Stellst du fest, dass du gar nicht „musst“, sondern die freie Wahl hast etwas zu tun, oder nicht?
  • Nimmt dir das den Druck und Stress?

Eine kleine Übungen zur Sprachreinigung:

Nimm dir für eine Woche eins der genannten Wörter vor und höre dir zu, wenn du sprichst oder denkst.

  • Fordere keine Rechtfertigung und ersetze das Warum mit “Aus welchem Grund”
  • Erspare dir Druck und Stress und ersetze das muss mit möchte oder darf
Probiere es aus und lass mich wissen, wie es dir ergangen ist!
Wenn du Austausch und Ideen brauchst, wie du mit verschiedenen Worten umgehen kannst, dann komm ins RollenSpagat – PORTAL. Dort treffen sich berufstätige Mütter zum Austausch, zur Unterstützung und gegenseitiger Hilfestellung.

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