Von Machtspielen und ultimativen Lobhudeleien

Machtspiele und Lobhudeleien
Autorin: Anne Hoffmann

Autorin: Anne Hoffmann

Hier kommt die Fortsetzung von meinem Beitrag „3 Tipps wie du in der Trotzphase gut mit deinem Kind umgehst“. Es war ein kleines Machtspiel… Es ist ein sehr schwieriges Beispiel, dass ich vorher so noch nicht hatte.
Hier liest du den ersten Teil: 3 Tipps, wie du in der Trotzphase gut mit deinem Kind umgehst!

So habe ich die Situation gelöst

Ich habe noch mal mit den Eltern und mit dem Kind intensiv gearbeitet. Was dabei herausgekommen ist: Ich habe es nach 3 Wochen geschafft, dass das Kind 5 Tage am Stück nicht in die Hose gemacht hat. Wie ich das geschafft habe? Ich habe keine Energie mehr reingegeben, sondern ihr einfach die Wechselkleidung hingelegt und das Verhalten nicht weiter thematisiert oder kommentiert. Zuerst wurde das Geschrei schlimmer. In einer ruhigen Minute habe ich der Kleinen erklärt, dass sie mit Schreien und Toben bei mir nicht weiterkommt. Dafür habe ich die positiven Situationen mit ihr mehr gewürdigt. Sie durfte sich dann auch schon mal einen schönen Aufkleber aussuchen. Mittlerweile setzt sie das „Pipi machen“ nicht mehr als Druckmittel ein.

Der positive Nebeneffekt dieser Geschichte

Mir ist dann der Gedanke gekommen das mit der gesamten Gruppe zu machen. Das Augenmerk wieder mehr auf die positiven Begegnungen und Verhaltensweisen zu richten. Zum Beispiel, dass sie eine Belohnung bekommen, wenn sie beim Aufräumen nicht streiten oder wenn Streitsituationen gut gelöst werden. So hat sich die ganze Gruppendynamik stärker zum Positiven gewandelt.

Wie können Eltern unterstützen?

Was die Eltern angeht hat sich wieder gezeigt, dass es wichtig ist das die Eltern mitarbeiten – vor allem auch miteinander. Das heißt, wenn schon die Eltern nicht miteinander an einem Strang ziehen und in eine gemeinsame Richtung laufen, wie soll das Kind es dann lernen?

Zum Beispiel, wenn in schwierigen Situationen mit dem Kind der Vater schnell gereizt ist und laut wird, die Mutter hingegen sagt: „Lass sie doch machen, ist doch egal.“ So lernt dein Kind sehr schnell, Vater und Mutter gegeneinander auszuspielen. Kommt das Kind dann in die Betreuung, versucht es den gleichen Ansatz. Gibt es dann dort feste Regeln, kommt das Kind nicht damit klar. Es geht gegen die Person, die ihm diese Regeln aufzeigt in den Widerstand. So kommt es zu den Machtspielen.

Um ein Machtspiel zu vermeiden, überlege dir, ob die folgenden Tipps weiterhelfen:

1. Lege Spielregeln fest und halte diese ein

Ist dein Kind grade in der Trotzphase, dann darf es trotzen. Es ist ein Teil der Entwicklung. Doch ein festgesteckter Rahmen sollte eingehalten werden. Es sollte nicht auf ein Machtspiel hinauslaufen. Zeige deinem Kind Grenzen auf und halte diese auch ein. Sonst lernt es, dass es mit Trotzen und Widerstand seinen Willen durchsetzen kann. Und das wird es immer wieder versuchen. Das ist sehr Kräfte- und Energie zehrend für alle Beteiligten.

Sieh Grenzen als Spielregel im Zusammenleben

Sieh Grenzen nicht als „Ich sage dir, wie es läuft und du musst dich dran halten!“, sondern sehe sie als Spielregeln im zwischenmenschlichen Zusammenleben. Wenn du die Spielregeln mal änderst oder beugst, erkläre deinem Kind aus welchem Grund es eine Abweichung gibt. Sonst kann dein Kind die Entscheidung nicht nachvollziehen, verliert seine Richtlinien und versucht auch andere Regeln zu beugen.


Übrigens verlieren wir dieses Verhalten nicht. Auch als Erwachsene testen wir ständig Grenzen aus, oder? Und solange keine „Stopp“ kommt, dehnen wir die Regeln weiter und weiter… Ein Phänomen, dass ich oft auch in meinen Führungskräfte-Trainings beobachten konnte. Dort heißt es natürlich nicht Trotzphase, sondern: „Kaum gibst du einem Mitarbeiter den kleinen Finger, ist der ganze Arm ab.“ Da die Vorgesetzte nicht damit rechnet, dass der Mitarbeiter die einmal gebeugte Regel zukünftig immer für sich in Anspruch nimmt, und durchaus auch weiter in die Beugung der Regel geht, führt das nicht selten zu (hausgemachten) Konflikten. Mangelnde Klarheit in der Ansage und fehlende Konsequenz ist hier die Ursache.

Anmerkung von Anette Krumhaar


2. Schau mehr auf die positiven Verhaltensweisen deines Kinds

Das heißt nicht, dass du wegen jedem bisschen in die ultimative Lobhudelei ausbrechen sollst.  Du weißt, loben ist gut aber zu viel und geheuchelt ist auch nicht gut. Schließlich hat dein Kind schon eine Persönlichkeit und dann fütterst du in diesem frühen Alter das Ego. Viele denken immer: „Oh das sind doch nur Kinder und die sind noch so klein.“ Aber, oftmals sind sie gewitzter und klüger als du denkst. Mit meinen langjährigen Erfahrungen als Tagesmutter würde ich nie sagen: „Es ist ja nur ein Kind.“

Lob und Anerkennung braucht ein gesundes Maß

Ich nutze es nicht für Dinge, die essenziell und alltäglich sind. Ich sage nicht ständig: „Oh prima, du hast jetzt ganz alleine deine Schuhe angezogen!“ oder „Da hast du ja ein tolles Bild gemalt! Das hast du toll gemacht!“. Zumal, wenn ich es nicht so empfinde. 😉 Das merkt dein Kind sofort, wie ehrlich du es meinst – dafür haben sie ein ausgeprägtes Gespür! Diese Form des Lobens nutzt sich dazu auch ab und verkommt zur Floskel. So lernt dein Kind, dass Anerkennung von dir nichts Besonderes ist. Viel wichtiger ist es, deinem Kind Liebe und Zuneigung zu geben.

Welche Erfahrung hast du mit Machtspielen und Lobhudeleien erlebt? Schreib mir gerne in die Kommentare!

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